Richtiges Trinken für Kleinkinder: Richtwerte & Becherwahl
Wasser ist der ideale Durstlöscher - doch wie viel Flüssigkeit braucht ein Kleinkind täglich, warum sind Fruchtsaftschorlen oft Zuckerbomben und was gilt bei Stevia oder Süßungsmitteln?

Das Wichtigste in Kürze
- -Sechs bis sieben Portionen à 125 Milliliter täglich sind der Richtwert für Kleinkinder, vor allem Trinkwasser.
- -Je nach Alter kommen 820 bis 1.330 Milliliter als Getränke zusammen; der Rest der Flüssigkeit steckt in Obst, Gemüse und gekochtem Essen.
- -Säfte und Eistee gewöhnen an Süße, auch stark verdünnt. Koffeinhaltige Getränke sind für Kinder nicht geeignet, Eistee eingeschlossen.
- -Milch zählt als Nahrungsmittel, nicht als Getränk, und wird auf die Tagesmenge nicht angerechnet.
Wie viel ein Kleinkind trinken soll
Der Richtwert lautet sechs bis sieben Portionen täglich, wobei eine Portion für Kleinkinder ein Achtelliter ist, also 125 Milliliter. Das ergibt etwa 750 bis 875 Milliliter an Getränken. Je nach Alter nennen die Empfehlungen insgesamt zwischen 820 und 1.330 Milliliter; die gesamte Flüssigkeitsaufnahme liegt bei 1,5 bis 2,5 Litern, weil Obst, Gemüse und gekochtes Essen einen erheblichen Teil beitragen.
Diese Zahlen sind Richtwerte, keine Vorgaben. An einem heißen Tag, bei Fieber, bei Durchfall oder nach dem Herumlaufen steigt der Bedarf deutlich. Kleine Kinder vergessen das Trinken beim Spielen, deshalb funktioniert Anbieten besser als Erinnern: Zu jeder Haupt- und Zwischenmahlzeit ein kleines Glas, und eine Flasche dort, wo das Kind spielt.
Milch ist ein Sonderfall. Sie zählt ernährungsphysiologisch als Nahrungsmittel und nicht als Getränk, weil sie Eiweiß, Fett und Kalzium liefert. Wer Milch auf die Trinkmenge anrechnet, rechnet sich die Flüssigkeitszufuhr schön und liefert dem Kind zugleich mehr Kalorien als beabsichtigt.
Wasser ist der Maßstab
Wasser ist und bleibt der beste Durstlöscher: keine Kalorien, keine Säure, kein Kariesrisiko. In Österreich hat Leitungswasser Trinkwasserqualität und ist damit dem gekauften Wasser in nichts nachzustehen, außer im Preis. Ungesüßte Früchte- und Kräutertees sind die zweite gute Wahl, ebenfalls ohne Zucker und ohne Honig.
Säure ist das Thema, das in Gesprächen über Kindergetränke meist fehlt. Früchtetees und Saftschorlen sind sauer, und Säure löst Zahnschmelz an, unabhängig vom Zuckergehalt. Wer ständig daran nippt, hält die Säure über Stunden am Zahn. Ein Glas in einem Zug ist für den Zahn besser als dieselbe Menge über den ganzen Nachmittag.
Stark kohlensäurehaltige Wässer mögen viele Kinder nicht, und es gibt keinen Grund, sie anzubieten. Stilles Wasser oder Leitungswasser reicht. Bei Mineralwasser lohnt ein Blick auf den Natriumgehalt, wenn es täglich in großen Mengen getrunken wird.
Säfte, Eistee und die Gewöhnung an Süße
Limonaden, Cola, Eistee und fertige Kindergetränke enthalten viel Zucker und viel Säure. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass auch hundertprozentiger Fruchtsaft von Natur aus so viel Zucker enthält wie viele Limonaden: Ein Glas Apfelsaft liegt beim Zuckergehalt etwa gleichauf mit einem Glas Cola. Der Unterschied liegt in den Vitaminen, nicht im Zucker.
Das eigentliche Problem ist nicht eine einzelne Portion, sondern die Gewöhnung. Ein Kind, das Süßes als normalen Geschmack von Getränken kennenlernt, empfindet Wasser als langweilig, und dieser Maßstab hält jahrelang. Deshalb nützt es wenig, Saft stark zu verdünnen: Der Geschmack bleibt süß, nur schwächer.
Koffeinhaltige Getränke sind für Kinder nicht geeignet: Cola, Energydrinks, schwarzer und grüner Tee und auch Eistee, der oft als harmlos gilt. Wer Saft anbietet, tut es zu einer Mahlzeit und nicht zwischendurch, weil der Zahn dann ohnehin mit Säure zu tun hat.
Warum Süßstoffe keine Lösung sind
Getränke mit Süßungsmitteln oder Stevia werben mit null Kalorien, und genau darum werden sie Eltern angeboten. Für Kinder lösen sie das Problem nicht, sondern verschieben es: Der Gewöhnungseffekt an einen süßen Geschmack bleibt, und er ist bei Süßstoffen stärker als bei Zucker, weil viele davon ein Vielfaches der Süßkraft haben.
Dazu kommt, dass ein süßes Getränk ohne Kalorien eine Erwartung weckt, die das Essen danach erfüllen soll. Kinder, die an süße Getränke gewöhnt sind, greifen auch beim Essen eher zum Süßen. Der Weg aus dieser Schleife führt über den Geschmack, nicht über den Kaloriengehalt.
Für die Zähne sind Süßstoffe unproblematisch, die Säure in solchen Getränken ist es nicht. Eine zuckerfreie Limonade greift den Zahnschmelz genauso an wie eine gezuckerte.
Milch ist ein Lebensmittel, kein Getränk
Milch zählt nicht zur Trinkmenge, und das ist keine Spitzfindigkeit: Sie hat so viel Energie und so viele Nährstoffe, dass sie ernährungsphysiologisch als Mahlzeit gilt. Ein Kind, das seinen Durst mit Milch stillt, isst weniger und nimmt damit weniger Eisen auf.
Die Empfehlung für das Kleinkindalter liegt deshalb unter einem halben Liter Milch und Milchprodukten am Tag. Im ersten Lebensjahr ist Kuhmilch als Getränk überhaupt nicht geeignet. Der Hintergrund ist der Eisenhaushalt: Kuhmilch enthält kaum Eisen, hemmt zusätzlich dessen Aufnahme und verdrängt eisenreiche Lebensmittel vom Teller. Eisenmangel ist der häufigste Nährstoffmangel in dieser Altersgruppe, und das Wachstumstempo macht Kleinkinder dafür besonders anfällig. Ein Milchbrei am Tag genügt, und er sollte nicht mit einer Fleischmahlzeit zusammenfallen.
Der zweite Punkt ist die Flasche, und hier geht es um die Zähne. Wird eine Flasche über den Tag verteilt als Beruhigungsmittel gegeben oder zum Einschlafen mitgenommen, umspült die Flüssigkeit stundenlang die oberen Schneidezähne, während der Speichelfluss im Schlaf nachlässt. Das Ergebnis heißt Nuckelflaschenkaries und trifft die Milchzähne oft schon im zweiten Lebensjahr. Gesüßte Getränke, Säfte und Tee mit Zucker gehören nie in eine Flasche. Spätestens mit etwa einem Jahr geht das Trinken an den Becher über, und Getränke gehören zur Mahlzeit am Tisch, nicht in den Kinderwagen und nicht ins Bett.
Mehr Flüssigkeit braucht ein Kind bei Fieber, bei Hitze, nach dem Toben und bei Durchfall oder Erbrechen. Dann zählt nicht die Tagesmenge, sondern das häufige Angebot in kleinen Portionen. Warnzeichen für eine beginnende Austrocknung sind weniger nasse Windeln als gewohnt, dunkler Harn, trockene Lippen, eine eingesunkene Fontanelle beim Säugling und auffällige Mattigkeit; dann gehört das Kind ärztlich angesehen.
Wasser zur Gewohnheit machen
Bieten Sie schon ab dem Beikoststart Wasser im Becher an, nicht in der Flasche mit Sauger. Ein Becher macht das Trinken zu einer Mahlzeit mit Anfang und Ende; ein Sauger, an dem den ganzen Tag genippt wird, hält die Flüssigkeit am Zahn.
Ist ein Kind bereits an Saft gewöhnt, funktioniert die Umstellung schrittweise besser als abrupt: jede Woche etwas mehr Wasser und etwas weniger Saft, über sechs bis acht Wochen. Das klingt langsam und ist der Weg, auf dem es ohne Streit gelingt.
Was am meisten hilft, ist banal: Was im Haus steht, wird getrunken. Wenn im Kühlschrank Saft steht, wird über Saft verhandelt. Wenn dort Wasser steht und Saft etwas ist, das es am Sonntag gibt, verhandelt niemand.
Bei unterwegs gilt dasselbe in der Tasche: eine eigene Flasche, die das Kind selbst öffnen kann, und ein Becher im Restaurant statt der angebotenen Limonade. Kinder trinken mehr aus einer Flasche, die ihnen gehört.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie viel soll mein Kleinkind am Tag trinken?
Als Richtwert sechs bis sieben Portionen à 125 Milliliter, also etwa 750 bis 875 Milliliter an Getränken. Je nach Alter werden 820 bis 1.330 Milliliter genannt; die gesamte Flüssigkeitsaufnahme liegt bei 1,5 bis 2,5 Litern, weil Obst, Gemüse und gekochtes Essen dazukommen.
Zählt Milch als Getränk?
Nein. Milch gilt ernährungsphysiologisch als Nahrungsmittel, weil sie Eiweiß, Fett und Kalzium liefert, und wird auf die Trinkmenge nicht angerechnet.
Ist Fruchtsaft gesünder als Limonade?
Im Zuckergehalt kaum: Ein Glas Apfelsaft liegt etwa gleichauf mit einem Glas Cola. Der Unterschied sind die Vitamine. Verdünnen löst das Problem nicht, weil der Geschmack süß bleibt und die Gewöhnung daran.
Ist Eistee für Kinder in Ordnung?
Nein. Eistee ist koffeinhaltig und meist stark gezuckert; koffeinhaltige Getränke sind für Kinder nicht geeignet. Ungesüßte Früchte- oder Kräutertees sind die Alternative.
Sind zuckerfreie Getränke mit Stevia eine Lösung?
Für die Gewöhnung nicht: Der süße Geschmack bleibt, und Süßstoffe haben oft ein Vielfaches der Süßkraft von Zucker. Für die Zähne bleibt außerdem die Säure, die den Schmelz angreift.
Wie stelle ich ein Kind auf Wasser um, das Saft gewöhnt ist?
Schrittweise über sechs bis acht Wochen: jede Woche etwas mehr Wasser, etwas weniger Saft. Und den Saft aus dem Kühlschrank nehmen, weil über das verhandelt wird, was sichtbar da ist.
Wie viel Milch darf ein Kleinkind am Tag trinken?
Empfohlen sind weniger als 500 Milliliter Milch und Milchprodukte am Tag. Milch zählt nicht zur Trinkmenge, weil sie ernährungsphysiologisch eine Mahlzeit ist. Mehr als ein halber Liter verdrängt eisenreiche Lebensmittel und begünstigt damit einen Eisenmangel. Im ersten Lebensjahr ist Kuhmilch als Getränk nicht geeignet.
Darf mein Kind die Flasche ins Bett mitnehmen?
Besser nicht. Wird die Flasche zum Einschlafen oder über den Tag verteilt genuckelt, umspült die Flüssigkeit die oberen Schneidezähne, während der Speichelfluss nachlässt. Daraus entsteht Nuckelflaschenkaries, oft schon im zweiten Lebensjahr. Gesüßte Getränke, Säfte und gezuckerter Tee gehören nie in eine Flasche.
Weiterführende Informationen
- Flüssigkeitsbedarf: so viel soll man trinken (Gesundheitsportal des Bundes)
- Kinderernährung (Gesundheitsportal des Bundes)
- Ernährungspyramide: Getränke (Gesundheitsportal des Bundes)
- Richtig essen von Anfang an (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit)
