Kinderbekleidung & Materialkunde
Kinderkleidung ist eine Frage von Passform, Material und Haltbarkeit, und erst danach eine von Geschmack. Zu große Schuhe schaden dem Fuß, ein zu warmer Schlafsack stört den Schlaf, und ein Kleidungsstück, das nach dritter Wäsche ausfranst, war nie günstig. Dieser Bereich sammelt, worauf es je Alter ankommt, von der Erstausstattung bis zur ersten selbst gewählten Jacke.

Kompakte Übersicht & Leitfaden
- -Wolle-Seide-Gemische regulieren die Körpertemperatur bei Neugeborenen und Babys optimal.
- -Zertifizierte Siegel wie GOTS und OEKO-TEX Standard 100 schützen vor bedenklichen Chemikalien.
- -Zwiebelprinzip (Layering) ist die verlässlichste Strategie für wechselhaftes Wetter.
Kinderkleidergrößen richten sich nach der Körpergröße in Zentimetern (z. B. Größe 62 = ca. 57 bis 62 cm Körperlänge). Im Zweifel immer die nächste Größe wählen.
Was in welchem Alter zählt
Die Anforderungen an Kinderkleidung verschieben sich mit dem Alter deutlich, und zwar in einer Reihenfolge, die sich vorhersagen lässt.
Im ersten Jahr zählt vor allem, wie schnell etwas an- und ausgezogen ist und wie oft es die Waschmaschine übersteht. Ein Baby wird mehrmals täglich umgezogen. Druckknöpfe an den Beinen, weite Halsausschnitte und Wickelbodys sparen jeden Tag Minuten und Nerven.
Im Kleinkindalter kommt Bewegung dazu. Kleidung muss Krabbeln, Klettern und Stürze aushalten, und sie muss dem Kind erlauben, sich selbst anzuziehen. Genau daran scheitern viele hübsche Teile: Wenn ein Dreijähriger den Verschluss nicht allein schafft, übt er das Anziehen nicht.
Ab dem Kindergarten beginnt die eigene Meinung. Das ist kein Störfaktor, sondern Entwicklung. Praktisch heißt es, dass ein Kleidungsstück, das ein Kind nicht mag, ungetragen bleibt, egal wie gut es ist.
Ab der Schule wird Kleidung sozial. Marken, Zugehörigkeit und Abgrenzung spielen mit, und das lässt sich nicht wegargumentieren, nur begleiten.
Material: worauf es tatsächlich ankommt
Bei Kinderkleidung ist das Material wichtiger als bei Erwachsenenkleidung, weil Kinder mehr schwitzen, empfindlichere Haut haben und Dinge in den Mund nehmen.
Baumwolle ist der Standard für alles, was direkt auf der Haut liegt: saugfähig, hautfreundlich, waschbar bei hohen Temperaturen. Der Nachteil ist, dass sie nass kalt wird und lange braucht, um zu trocknen.
Wolle und Wolle-Seide wärmen auch feucht und regulieren die Temperatur besser als jede Kunstfaser. Sie sind teuer und brauchen andere Pflege, halten dafür aber mehrere Kinder durch.
Kunstfasern haben ihren Platz in Funktionskleidung, also Regenjacke, Matschhose und Skibekleidung. Direkt auf der Haut und beim Schlafen sind sie die schlechtere Wahl.
Bei Schadstoffen hilft die Faustregel, die auch Testinstitute nennen: Was stark riecht, kommt nicht ans Kind. Zertifikate wie der Oeko-Tex Standard 100 oder GOTS sind ein Anhaltspunkt, keine Garantie, und sie sagen nichts über die Haltbarkeit.
Schuhe sind der Sonderfall
Bei keinem anderen Kleidungsstück richtet die falsche Wahl so viel Schaden an wie bei Schuhen. Kinderfüße sind weich, und ein zu kurzer oder zu langer Schuh verformt sie, ohne dass das Kind sich beschwert. Kinder merken Druckstellen schlechter als Erwachsene und melden sie deshalb nicht.
Deshalb gilt: Fußlänge messen statt schätzen, und zwar im Stehen und bei beiden Füßen, weil sie unterschiedlich lang sind. Zwischen Zehenspitze und Schuhende gehören etwa zwölf bis siebzehn Millimeter Spielraum. Die Innenlänge des Schuhs entspricht dabei nicht der aufgedruckten Größe: Zwischen Herstellern liegen bei derselben Nummer bis zu anderthalb Größen Unterschied.
Für die Wohnung und den Sommer gilt: Barfuß ist besser als jeder Schuh. Der Fuß entwickelt sich über Reize, und ein Schuh nimmt sie ihm ab.
Alle drei bis vier Monate nachmessen ist bei Kleinkindern kein übertriebener Aufwand, sondern die einzige Möglichkeit, den Wachstumsschub nicht zu verpassen.
Menge, Kosten und Weitergabe
Kinder wachsen schneller aus Kleidung heraus, als sie sie abnutzen. Für das Familienbudget folgt daraus zweierlei: Weniger Teile in besserer Qualität rechnen sich, und Gebrauchtes ist bei Kinderkleidung selten ein Kompromiss.
In den ersten beiden Jahren wechselt die Größe etwa alle drei Monate. Wer in dieser Zeit vollständige Garderoben kauft, kauft an der Wirklichkeit vorbei. Fünf bis sieben Bodys, drei bis vier Hosen und zwei Jacken je Größe reichen in aller Regel, solange gewaschen wird.
Bei der Weitergabe zwischen Geschwistern und Familien halten Wolle, dicht gewebte Baumwolle und gute Funktionsjacken problemlos zwei bis drei Kinder durch. Was nicht weitergegeben werden sollte, sind Helme nach einem Sturz und Schuhe, die bereits ein anderes Kind eingelaufen hat.
Für einzelne Anlässe, etwa eine Skiwoche oder ein Fest, lohnt sich Leihen oder Tauschen häufiger als Kaufen. In vielen Gemeinden gibt es dafür Börsen, meist im Frühjahr und im Herbst.
Waschen, bevor das Kind es trägt
Neue Kleidung kommt nicht sauber aus dem Geschäft. Auf dem Weg vom Werk ins Regal liegt sie monatelang in Folie, wird gegen Schimmel und Knitter behandelt und von vielen Händen angefasst. Ein Waschgang vor dem ersten Tragen entfernt den größten Teil der löslichen Rückstände, besonders überschüssige Farbstoffe und Ausrüstungsmittel.
Für Babykleidung genügt in der Regel 40 Grad mit einem Waschmittel ohne optische Aufheller, Duftstoffe und Bleiche. Heißer zu waschen macht die Kleidung nicht sauberer, sondern kürzer: Baumwolle schrumpft, Elasthan wird spröde, und Wolle verfilzt. Einzig bei Spucktüchern, Bettwäsche und allem, was mit Krankheit in Berührung kam, ist 60 Grad sinnvoll.
Weichspüler ist bei Kinderkleidung nicht nur unnötig, er ist schädlich für ihre Aufgabe: Er legt einen Film auf die Fasern und nimmt Frottee die Saugfähigkeit und Funktionswäsche den Feuchtigkeitstransport. Wer weiche Wäsche möchte, dosiert das Waschmittel nach Wasserhärte und trocknet im Freien.
Ein Kleidungsstück, das schon beim ersten Waschen abfärbt, steif wird oder nach Chemie riecht, gehört zurück. Das ist kein Qualitätsmerkmal, das sich auswäscht.
Kordeln, Kapuzen und Sichtbarkeit
Der häufigste Sicherheitsmangel an Kinderkleidung ist keine Chemikalie, sondern eine Schnur. Kordeln im Hals- und Kapuzenbereich können an Rutschen, Liftbügeln, Zäunen oder Fahrradlenkern hängen bleiben. Die europäische Norm EN 14682 regelt deshalb Zugbänder an Kinderbekleidung und verlangt für die Kleidung kleiner Kinder, dass Hals und Kapuze frei von Kordeln bleiben. Wo dennoch eine hängt, ist sie mit der Schere in zwei Minuten erledigt.
Dasselbe gilt für alles Abnehmbare an Babykleidung: Druckknopf statt Knopf, festgenähte Applikation statt aufgeklebter, keine Perlen und keine langen Bänder an Mützen. Produktrückrufe zu genau diesen Mängeln veröffentlicht die EU im Safety Gate, das Sozialministerium führt die österreichische Seite dazu.
Ab dem Kindergarten kommt ein zweiter Punkt dazu, der mit Mode nichts zu tun hat: Sichtbarkeit. Im Herbst und Winter liegt der Schulweg im Dunkeln, und dunkle Kleidung ist für Autofahrende erst spät zu erkennen. Reflektoren an Jacke, Rucksack und Schuhen verlängern diese Strecke erheblich. Wichtig ist, dass sie dort sitzen, wo Bewegung ist: an Ärmeln und Beinen, nicht nur auf dem Rücken.
Materialkunde & Erstausstattung
Textilqualitäten und Basics für Babys und Kleinkinder.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass Kinderschuhe passen?
An der gemessenen Innenlänge, nicht an der aufgedruckten Größe. Zwischen längster Zehe und Schuhende gehören etwa zwölf bis siebzehn Millimeter. Beide Füße messen, sie sind unterschiedlich lang, und alle drei bis vier Monate nachmessen.
Welche Materialien eignen sich für Babykleidung?
Direkt auf der Haut Baumwolle oder Wolle und Wolle-Seide. Kunstfasern gehören in Funktionskleidung wie Regenjacke und Matschhose, nicht ins Bett und nicht auf die Haut.
Wie viele Kleidungsstücke braucht ein Baby je Größe?
In der Regel fünf bis sieben Bodys, drei bis vier Hosen und zwei Jacken. In den ersten beiden Jahren wechselt die Größe etwa alle drei Monate, vollständige Garderoben je Größe lohnen sich deshalb nicht.
Ist gebrauchte Kinderkleidung eine gute Idee?
Bei Kleidung fast immer, weil Kinder eher herauswachsen als abnutzen. Nicht weitergeben sollte man Helme nach einem Sturz und Schuhe, die bereits ein anderes Kind eingelaufen hat.
Muss ich neue Kinderkleidung vor dem ersten Tragen waschen?
Ja. Neue Textilien tragen Reste von Farbstoffen und Ausrüstungsmitteln, die sich zum großen Teil im ersten Waschgang lösen. Für Babykleidung genügen 40 Grad mit einem Waschmittel ohne optische Aufheller und Duftstoffe. Wenn ein Stück dabei stark abfärbt oder nach dem Trocknen noch riecht, geben Sie es besser zurück.
Worauf muss ich bei Kapuzen und Kordeln achten?
Kleidung für kleine Kinder soll im Hals- und Kapuzenbereich keine Kordeln haben; die Norm EN 14682 regelt das. Vorhandene Bänder können Sie entfernen, ohne dem Kleidungsstück zu schaden. Achten Sie außerdem auf festsitzende Knöpfe und Applikationen: Alles, was sich ablösen lässt, ist bei Kindern unter drei Jahren ein Verschluckrisiko.
Weiterführende Informationen
- OEKO-TEX Standard 100: geprüfte Schadstofffreiheit von TextilienOEKO-TEX Association
- Global Organic Textile Standard: Anforderungen an BiotextilienGlobal Standard gGmbH
- Verordnung (EU) Nr. 1007/2011 über die TextilkennzeichnungAmt für Veröffentlichungen der Europäischen Union
- Produktsicherheit und RückrufeBundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
- Safety Gate: EU-Schnellwarnsystem für gefährliche ProdukteEuropäische Kommission
- Kindersicherheit im StraßenverkehrÖAMTC
