Volksschulen erfahren vorab, wo sie im Vergleich stehen
Ab Herbst 2026 werden standortbezogene Schuldaten von Volksschulen veröffentlicht. Für Eltern ist das ein neues Werkzeug bei der Schulwahl, aber auch eine neue Fehlerquelle: Wer die Zahlen ohne ihren Kontext liest, zieht sehr schnell die falschen Schlüsse.

Volksschulen als Vorreiter
Mehr Transparenz im Bildungssystem und eine faktenbasierte Diskussion über Bildung: Das verspricht Bildungsminister Christoph Wiederkehr, wenn ab Herbst standortbezogene Schuldaten veröffentlicht werden. Den Anfang machen 2026 die Volksschulen, 2027 folgt die Sekundarstufe I und nachfolgend die Sekundarstufe II.
Als Vorbereitung auf die bevorstehende Veröffentlichung haben die Direktionen der Volksschulen die Daten zu ihrem Standort bereits erhalten. Der Vorlauf ist bewusst gewählt: Die Schulen sollen ihre Zahlen einordnen, offensichtliche Fehler melden und sich auf Rückfragen von Eltern vorbereiten können, bevor die Werte öffentlich sind.
Die Daten umfassen unter anderem Klassengrößen, Ergebnisse der iKM PLUS Erhebungen und weitere relevante standortbezogene Indikatoren. Damit wird erstmals flächendeckend sichtbar, was bisher nur innerhalb des Schulsystems bekannt war.
Was iKM PLUS misst und was nicht
iKM PLUS steht für Individuelle Kompetenzmessung PLUS und hat die früheren Bildungsstandardüberprüfungen abgelöst. Erhoben werden zentrale Kompetenzen, in der Volksschule vor allem in Deutsch und Mathematik. Die Auswertung geht an Lehrkräfte und Schulleitung und dient dazu, Förderbedarf früh zu erkennen.
Für die Einordnung ist entscheidend, was iKM PLUS ausdrücklich nicht ist:
- keine Prüfung und keine Grundlage für Noten oder den Aufstieg in die nächste Schulstufe
- kein Instrument zur Beurteilung einzelner Lehrkräfte
- kein Test, auf den Kinder gezielt vorbereitet werden sollen
- keine Messung von Begabung, sondern eine Momentaufnahme des Kompetenzstands
Als Eltern müssen Sie deshalb nichts tun. Wenn Ihr Kind von einer Erhebung erzählt, ist die hilfreichste Reaktion die unaufgeregte: kein Üben davor, keine Bewertung danach.
Warum der Standortkontext über die Aussagekraft entscheidet
Zwei Volksschulen mit demselben Durchschnittswert können pädagogisch völlig unterschiedlich arbeiten, und zwei Schulen mit sehr unterschiedlichen Werten können beide hervorragende Arbeit leisten. Ausschlaggebend ist die Ausgangslage: Wie viele Kinder wachsen mehrsprachig auf, wie ist der Bildungshintergrund der Familien im Einzugsgebiet, wie hoch ist die Fluktuation während des Schuljahres.
Eine Schule, die Kinder mit schwierigen Startbedingungen ein gutes Stück weiterbringt, leistet messbar mehr als eine Schule, deren Kinder ohnehin mit viel Unterstützung von zu Hause kommen. Im nackten Durchschnittswert sieht Letztere trotzdem besser aus. Genau diese Verwechslung ist der Grund, warum Fachleute vor vorschnellen Reihungen warnen.
Fünf Regeln für das Lesen der Zahlen
- Ausgangslage vor Ergebnis lesenZusammensetzung der Schülerschaft, Erstsprachen und sozioökonomischer Hintergrund erklären einen erheblichen Teil der Unterschiede zwischen Standorten. Ein Ergebnis ohne diesen Kontext ist kaum interpretierbar.
- Auf die Fallzahl achtenEine kleine Landvolksschule mit einer Klasse pro Schulstufe schwankt von Jahrgang zu Jahrgang stark. Einzelne Kinder verschieben den Durchschnitt spürbar, ohne dass sich an der Schule irgendetwas geändert hätte.
- Entwicklung statt MomentaufnahmeInteressant ist weniger der Wert eines Jahres als die Frage, wie er sich über mehrere Erhebungen bewegt. Diese Zeitreihe entsteht erst nach und nach.
- Kompetenzstand ist nicht LernfortschrittGemessen wird, was Kinder zu einem Zeitpunkt können. Wie viel davon an der Schule dazugekommen ist, zeigt die Zahl nicht direkt. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Ergebnis und einer Leistung der Schule.
- Nicht alles Wichtige ist messbarVerlässliche Beziehungen, ein ruhiges Klassenklima, Umgang mit Konflikten und die Frage, ob Ihr Kind gerne hingeht, tauchen in keiner Kennzahl auf und entscheiden trotzdem über die Schulzeit.
Was die Daten über den Schulalltag nicht verraten
Die veröffentlichten Kennzahlen beschreiben Struktur und Ergebnis, nicht das tägliche Erleben. Für die Schulwahl bleiben deshalb Fragen offen, die Sie nur vor Ort klären können:
- Wie stabil ist der Lehrkörper, wie oft wechseln Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer?
- Wie ist die Nachmittagsbetreuung organisiert und werden Hausübungen dort begleitet?
- Wie geht die Schule mit Konflikten, Mobbing und Förderbedarf konkret um?
- Wie viel Bewegung, Musik und Projektarbeit finden tatsächlich statt?
- Wie lang ist der Schulweg und kann Ihr Kind ihn bald selbstständig bewältigen?
Nutzen Sie die Standortdaten deshalb als Gesprächseinstieg, nicht als Entscheidung. Ein Tag der offenen Tür, ein Gespräch mit der Schulleitung und der Austausch mit Eltern aus der aktuellen ersten Klasse liefern für die Schulwahl mehr Substanz als jede Tabelle.
Häufige Fragen
Ab wann sind die Schuldaten öffentlich einsehbar?
Den Anfang machen im Herbst 2026 die Volksschulen. 2027 folgt die Sekundarstufe I, danach die Sekundarstufe II. Die Direktionen haben die Daten zu ihrem Standort bereits vorab erhalten, um sie einordnen zu können.
Bekommt mein Kind durch iKM PLUS eine Note?
Nein. Die Individuelle Kompetenzmessung PLUS ist ein Rückmeldeinstrument und keine Prüfung. Die Ergebnisse fließen nicht in die Zeugnisnote ein und entscheiden nicht über den Aufstieg in die nächste Schulstufe.
Entsteht daraus ein offizielles Schulranking?
Ein Ranking ist ausdrücklich nicht das Ziel der Veröffentlichung. Sobald Standortdaten öffentlich sind, lassen sich daraus aber Listen erstellen. Solche Reihungen vergleichen in der Regel unterschiedliche Ausgangslagen miteinander und sagen wenig über die Qualität der pädagogischen Arbeit aus.
Was sagen die Daten über die richtige Schule für mein Kind aus?
Sie liefern einen ersten Anhaltspunkt zu Größe, Zusammensetzung und Kompetenzstand eines Standorts. Zu Schulklima, Betreuungsqualität am Nachmittag, Stabilität des Lehrkörpers und Schulweg sagen sie nichts. Diese Faktoren klären Sie am besten im direkten Gespräch an der Schule.
