12 Min. Lesezeit

Strategischer Vermögensaufbau für Kinder

Für ein Kind zu sparen heißt vier Fragen zu beantworten: Wie lange soll das Geld liegen, wie viel Schwankung ist auszuhalten, wem gehört das Ergebnis, und was kostet der Weg dorthin. Dieser Beitrag ordnet die Sparformen danach, erklärt die österreichische Besteuerung und nennt die Fehler, die am meisten kosten.

Eine Hand steckt eine Münze in ein blaues Sparschwein
Foto: maitree rimthong. Lizenz: Pexels-Lizenz. Quelle
Datenstand: 10. Juli 2026Gültig für: ÖsterreichQuelle: Sparen und Veranlagen: Kapitalertragsteuer und Besteuerung von Kapitalvermögen
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine individuelle Finanz-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Er dient ausschließlich der allgemeinen Information.

Das Wichtigste in Kürze

  • -Der Zeithorizont entscheidet, nicht das Produkt: Was in drei Jahren gebraucht wird, gehört nicht in etwas, das schwanken kann.
  • -Ein Depot auf den Namen des Kindes gehört rechtlich dem Kind. Mit achtzehn verfügt es allein darüber, ohne Zweckbindung.
  • -In Österreich gibt es keinen Freibetrag auf Kapitalerträge: Auch ein Kind zahlt ab dem ersten Euro Kapitalertragsteuer.
  • -Laufende Kosten sind der einzige Teil der Rendite, den man vorher kennt. Über achtzehn Jahre wirkt ein Prozentpunkt erheblich.
  • -Ein Betrag, der auch in einem schlechten Jahr bleibt, schlägt einen großen, der nach zwei Jahren endet.

Worum es bei dieser Entscheidung geht

Wer für ein Kind spart, trifft nicht eine Entscheidung, sondern vier: Wie lange soll das Geld liegen? Wie viel Schwankung ist auszuhalten? Wem gehört das Ergebnis? Und was kostet der Weg dorthin? Die Wahl zwischen Sparbuch, Bausparer und Fonds ist erst die Folge dieser vier Antworten, nicht ihr Anfang.

Der Zeithorizont ist dabei der stärkste Hebel, den Familien haben. Wer bei der Geburt beginnt, hat bis zur Volljährigkeit achtzehn Jahre. Das ist ein Zeitraum, in dem sich Schwankungen breit gestreuter Anlagen historisch ausgeglichen haben, während ein Sparbuch über dieselbe Zeit real, also nach Abzug der Inflation, meist verloren hat. Umgekehrt gilt: Geld, das in drei Jahren für den Führerschein gebraucht wird, gehört nicht in etwas, das schwanken kann.

Der zweite Hebel ist die Regelmäßigkeit. Ein monatlicher Betrag, der klein genug ist, um ihn auch in einem schlechten Jahr durchzuhalten, bringt über achtzehn Jahre mehr als eine große Einmalzahlung, die einmal kommt und dann nicht mehr. Wer zwischendurch aussetzen muss, hat nichts falsch gemacht; wer einen Betrag wählt, den er nach vier Monaten wieder streicht, schon.

Praxis-Tipp für Eltern

Bevor irgendetwas angelegt wird: Ein Polster von drei bis sechs Monatsausgaben auf einem jederzeit verfügbaren Konto der Eltern ist wichtiger als jedes Kinderdepot. Wer im Notfall das Kindersparbuch auflösen muss, verliert genau den Zeitraum, der den Unterschied macht.

Wem das Geld rechtlich gehört

Das ist der Punkt, der am häufigsten übersehen wird und am wenigsten umkehrbar ist. Ein Konto oder Depot, das auf den Namen des Kindes lautet, gehört dem Kind. Die Eltern verwalten es im Rahmen der Obsorge, aber es ist nicht ihr Geld. Sie dürfen es nicht für eigene Zwecke verwenden, und sie können es nach der Volljährigkeit nicht zurückfordern.

Mit achtzehn Jahren verfügt die volljährige Person allein darüber, ohne Rücksprache und ohne Zweckbindung. Das ist der Sinn der Sache, kann aber unangenehm überraschen, wenn eine Familie den Betrag im Kopf für ein Studium reserviert hatte. Wer das nicht will, legt auf den eigenen Namen an und übergibt später bewusst.

Beide Wege haben ihren Preis. Auf den Namen des Kindes angelegt, ist das Geld vor Zugriffen der Eltern geschützt und zählt bei manchen Leistungen als Vermögen des Kindes. Auf den eigenen Namen angelegt, bleibt die Kontrolle, aber das Geld gehört zum Vermögen der Eltern und ist damit auch deren Gläubigern und deren Erbfolge ausgesetzt. Es gibt hier keine Lösung, die beides kann.

Wichtiger Hinweis

Ein Depot auf den Namen des Kindes lässt sich nicht ohne Weiteres zurückdrehen. Wer sich unsicher ist, klärt die Frage, bevor der erste Betrag fließt, nicht danach.

Sparformen nach Zeithorizont

Die folgende Übersicht ordnet die gängigen Formen danach, wofür sie gebaut sind, nicht danach, welche die höchste Rendite verspricht. Zinssätze und Prämienhöhen stehen bewusst nicht dabei: Sie ändern sich, und eine Seite, die sie nennt, ist nach einem Jahr falsch.

Sparformen nach Zeithorizont: Übersichtstabelle
FormPasst fürWesentlicher Nachteil
Sparbuch oder TagesgeldGeld, das in den nächsten ein bis drei Jahren gebraucht wird, und den NotgroschenDer Ertrag liegt meist unter der Inflation, das Guthaben verliert real an Wert
BausparvertragMittlere Fristen ab etwa sechs Jahren, wenn eine staatliche Prämie mitgenommen werden sollBindung über die Laufzeit, die Prämie ist gedeckelt und wird jährlich neu festgesetzt
Anleihen und AnleihenfondsMittlere Fristen mit geringerer Schwankung als AktienKursverluste bei steigenden Zinsen, Ertrag nach Kosten oft überschaubar
Breit streuender Aktien-Indexfonds (ETF)Zeiträume ab etwa zehn Jahren, also den klassischen Fall bei einem kleinen KindZwischenzeitliche Rückgänge von dreißig Prozent und mehr sind normal und müssen ausgehalten werden
Fondsgebundene LebensversicherungWer Anlage und Absicherung in einem Vertrag willKosten und Bindung sind meist deutlich höher als bei einem Depot mit demselben Fonds
Gold, Einzelaktien, KryptoErgänzung, wenn der Rest stehtKlumpenrisiko: Für den einzigen Sparweg eines Kindes ungeeignet

Kosten und Steuern in Österreich

Kosten sind der einzige Teil der Rendite, den man vorher kennt. Bei einem Fondssparplan fallen typischerweise drei an: die laufenden Kosten des Fonds selbst, die Gebühr des Depots und die Spesen je Kauf. Über achtzehn Jahre macht ein Unterschied von einem Prozentpunkt jährlich einen erheblichen Anteil des Endbetrags aus. Wer vergleicht, vergleicht deshalb zuerst diese drei Posten, nicht die Wertentwicklung der Vergangenheit.

Steuerlich gilt in Österreich die Kapitalertragsteuer. Auf Zinsen aus Spareinlagen und Bankguthaben werden 25 Prozent einbehalten, auf Erträge aus Wertpapieren, also Dividenden, Kursgewinne und Fondserträge, 27,5 Prozent. Die Bank führt das direkt ab, eine Steuererklärung ist dafür in der Regel nicht nötig.

Wichtig für Familien, die aus Deutschland kommen oder deutsche Ratgeber lesen: Einen Freibetrag wie den deutschen Sparerpauschbetrag gibt es in Österreich nicht. Auch ein Kind zahlt auf seine Kapitalerträge ab dem ersten Euro Kapitalertragsteuer. Ein Depot auf den Namen des Kindes bringt steuerlich also keinen Vorteil; die Gründe dafür sind rechtliche, nicht steuerliche.

Was regelmäßig schiefgeht

Zu spät anfangen und dann zu viel wollen. Wer mit zwölf Jahren beginnt, hat sechs Jahre. In sechs Jahren gleicht sich ein schlechter Börsenzeitraum nicht verlässlich aus. Die Antwort darauf ist nicht, trotzdem stärker ins Risiko zu gehen, sondern das Ziel anzupassen.

Auf Zuruf umschichten. Der häufigste Schaden entsteht nicht durch die falsche Anlage, sondern dadurch, dass jemand nach einem Kursrückgang verkauft. Ein Sparplan, den man einrichtet und dann in Ruhe lässt, schlägt in der Praxis fast jede aktive Umschichtung.

Alles in ein Produkt der Hausbank. Das erste Angebot ist selten das günstigste. Ein Vergleich der laufenden Kosten zwischen zwei bis drei Anbietern dauert einen Abend und wirkt achtzehn Jahre lang.

Den Betrag zu hoch ansetzen. Ein Sparplan, der nach acht Monaten gestrichen wird, hat weniger gebracht als einer, der halb so groß war und geblieben ist.

Die letzten Jahre nicht absichern. Wenn das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt gebraucht wird, gehört es in den letzten zwei bis drei Jahren davor schrittweise in etwas Schwankungsarmes. Sonst entscheidet der Börsenstand im Monat des achtzehnten Geburtstags über das Ergebnis von achtzehn Jahren.

Checkliste & Kriterien:
  • [x]Notgroschen der Eltern steht, bevor für das Kind angelegt wird.
  • [x]Zeithorizont festgelegt: Wann soll das Geld gebraucht werden?
  • [x]Geklärt, ob auf den Namen des Kindes oder der Eltern angelegt wird, und warum.
  • [x]Laufende Kosten bei mindestens zwei Anbietern verglichen.
  • [x]Monatsbetrag so gewählt, dass er auch in einem schlechten Jahr bleibt.
  • [x]Plan für die letzten drei Jahre vor dem Auszahlungszeitpunkt.

Geld erklären, nicht nur anlegen

Ein Betrag, der mit achtzehn auf einem Konto liegt, nützt wenig, wenn niemand je darüber gesprochen hat. Der Umgang mit Geld lernt sich am eigenen, nicht am elterlichen: Taschengeld, das verlässlich kommt und über das ohne Rechenschaft verfügt werden darf, ist die erste und wirksamste Übung. Wer die Verwendung vorschreibt, nimmt die Übung wieder heraus.

Ab dem Volksschulalter lässt sich das erweitern: ein eigenes Sparziel, das ein Kind selbst wählt und auf das es hinspart, macht Warten und Abwägen greifbar. Ab etwa zehn Jahren ist ein Jugendkonto sinnvoll, sobald regelmäßig eigenes Geld hereinkommt. Ab vierzehn kann eine Person in Österreich über selbst verdientes Geld weitgehend eigenständig verfügen; das ist der richtige Zeitpunkt, um über Fixkosten, Abonnements und den Unterschied zwischen Preis und Wert zu sprechen.

Wenn ein Depot besteht, gehört es spätestens ab dem Jugendalter mit auf den Tisch. Ein junger Mensch, der weiß, was da liegt, warum es schwankt und wofür es gedacht war, geht damit anders um als jemand, dem an einem Geburtstag eine Zahl mitgeteilt wird.

Häufige Fragen (FAQ)

Sparbuch oder Fonds für ein Neugeborenes?

Bei einem Zeitraum von achtzehn Jahren spricht fachlich vieles für eine breit streuende Anlage, weil ein Sparbuch über so lange Zeiträume real meist an Wert verliert. Voraussetzung ist, dass die Familie zwischenzeitliche Rückgänge aushalten kann, ohne verkaufen zu müssen. Wer das nicht sicher weiß, teilt auf: einen Teil schwankungsarm, einen Teil langfristig.

Wie viel sollte man monatlich für ein Kind zurücklegen?

Dazu gibt es keinen richtigen Betrag. Sinnvoll ist der höchste Betrag, den die Familie auch in einem finanziell schlechten Jahr weiterzahlen kann, ohne den eigenen Notgroschen anzugreifen. Ein kleiner Betrag über achtzehn Jahre wirkt stärker als ein großer, der nach zwei Jahren endet.

Zahlt ein Kind in Österreich Steuern auf Kapitalerträge?

Ja. Die Kapitalertragsteuer wird unabhängig vom Alter einbehalten: 25 Prozent auf Zinsen aus Spareinlagen, 27,5 Prozent auf Erträge aus Wertpapieren. Einen Freibetrag wie den deutschen Sparerpauschbetrag gibt es in Österreich nicht. Ein Depot auf den Namen des Kindes bringt deshalb keinen steuerlichen Vorteil.

Kann man Geld, das auf das Kind läuft, später zurückholen?

Nein. Was auf den Namen des Kindes angelegt ist, gehört dem Kind. Die Eltern verwalten es bis zur Volljährigkeit, dürfen es aber nicht für eigene Zwecke verwenden. Mit achtzehn verfügt die volljährige Person allein darüber. Wer die Kontrolle behalten will, legt auf den eigenen Namen an und übergibt später bewusst.

Was ist mit der Familienbeihilfe: sollte man die anlegen?

Die Familienbeihilfe ist als laufender Beitrag zu den Kosten eines Kindes gedacht, nicht als Sparbetrag. Familien, die sie nicht für den Alltag brauchen, legen sie teilweise an; eine Verpflichtung dazu besteht nicht, und es ist keine Frage der Vernunft, sondern der Haushaltslage.

Weiterführende Informationen