Konsumverhalten und Geschenkekultur bei Familien
Eine umfassende Marktanalyse zum Konsum- und Ausgabeverhalten von Familien in Österreich bei saisonalen Anlässen wie Weihnachten, Ostern und dem Schulstart.

Das Wichtigste in Kürze
- -Der Beitrag ordnet ein, was österreichische Familien zu Weihnachten, Ostern und zum Schulstart tatsächlich ausgeben.
- -Saisonale Anlässe verteilen die Ausgaben ungleich über das Jahr; der Schulstart trifft Familien mit mehreren Kindern am härtesten.
- -Aus dem Ausgabeverhalten leiten sich Ansätze ab, Geschenkkultur zu gestalten, ohne die Anlässe abzuschaffen.
Was Familien in Österreich tatsächlich ausgeben
Über Geld wird in Familien selten gesprochen, über Geschenke schon. Beides hängt zusammen: Wer weiß, wie hoch die Beträge tatsächlich sind, kann sie besser einteilen, und die größten Posten im Familienjahr sind nicht die, über die am meisten geredet wird.
Die Schulkostenstudie der Arbeiterkammer aus dem Jahr 2024 hat österreichweit über 2.500 Eltern ein Jahr lang begleitet. Für Niederösterreich nennt sie 2.130 Euro je Kind und Schuljahr. Darin stecken 404 Euro für Schulartikel, 270 Euro für mehrtägige Schulveranstaltungen und 751 Euro für die Nachmittagsbetreuung. Das ist kein Geschenkbudget, sondern der Grundbetrag, der anfällt, damit ein Kind zur Schule gehen kann.
Dem gegenüber steht Weihnachten. Die KMU Forschung Austria erhebt jedes Jahr, wie viel Menschen für Geschenke ausgeben wollen; für Oberösterreich lag der Wert 2024 bei 320 Euro je Person. Das ist viel Geld auf einmal, aber weniger als ein Sechstel dessen, was dasselbe Kind im selben Jahr an Schulkosten verursacht.
Warum der Schulstart härter trifft als Weihnachten
Drei Unterschiede machen den Schulstart zum schwierigeren Posten. Erstens ist er nicht verhandelbar: Ein Zirkel, ein Turnbeutel und ein Beitrag zur Projektwoche stehen auf einer Liste, die von außen kommt. Ein Geschenk kann kleiner ausfallen, ein Schulbuchbeitrag nicht.
Zweitens fällt alles gleichzeitig an. Zwischen Mitte August und Ende September kommen Anschaffungen, Betreuungsbeiträge und die ersten Ausflüge zusammen, oft für mehrere Kinder. Weihnachtsgeschenke lassen sich über Wochen verteilen und vorab kaufen, der Schulstart nicht.
Drittens trifft es ungleich. Die AK-Studie rechnet vor, dass Schulkosten bei Haushalten mit weniger als 2.000 Euro Monatseinkommen rund 15 Prozent des Haushaltseinkommens ausmachen. Drei Jahre zuvor waren es 12 Prozent. Für Familien mit höherem Einkommen ist derselbe Betrag eine Unannehmlichkeit, für andere die Frage, was in diesem Monat ausfällt.
Der Staat gleicht einen Teil davon aus. Mit der Familienbeihilfe für August wird ein Schulstartgeld von 121,40 Euro für jedes Kind zwischen 6 und 15 Jahren überwiesen, ohne Antrag. Das deckt bei einem Volksschulkind ungefähr die Schulartikel, nicht aber Betreuung oder Ausflüge.
Geschenkkultur gestalten, ohne Anlässe abzuschaffen
Aus diesen Zahlen folgt nicht, dass Geschenke das Problem sind. Sie folgen einem anderen Muster: Sie sind freiwillig, sie summieren sich über viele Schenkende, und sie lassen sich absprechen. Genau dort liegt der Spielraum.
- Absprache in der Verwandtschaft. Vier Großeltern, zwei Patinnen und drei Tanten ergeben zehn Geschenke, von denen sich die Hälfte gleicht. Eine Liste, die die Eltern führen und weitergeben, verhindert Dubletten und macht aus mehreren kleinen Geschenken ein größeres, das länger hält.
- Anlässe entzerren. Wer den Schulstart als Anlass mitdenkt, verschiebt einen Teil der Weihnachts- und Geburtstagswünsche dorthin, wo ohnehin etwas gebraucht wird: Schultasche, Federpennal, Sportsachen.
- Gebraucht ist nicht zweite Wahl. Bei Sportgeräten, Fahrrädern und Wintersachen ist der Zustand nach einer Saison meist besser als der Preisunterschied vermuten lässt. Tauschbörsen an Schulen und Flohmärkte im Frühjahr decken einen Gutteil davon ab.
- Erlebnisse statt Dinge. Ein Jahresticket für ein Museum, eine Vorteilskarte oder ein gemeinsamer Ausflug kosten oft weniger als ein größeres Spielzeug und stehen nach zwei Wochen nicht im Kinderzimmer herum.
Kinder lernen den Umgang mit Geld nicht aus Verzicht, sondern aus Nachvollziehbarkeit. Ein Kind, das weiß, dass für den Geburtstag ein Betrag da ist und dass es zwischen zwei Wünschen wählen kann, erlebt eine Entscheidung. Ein Kind, dem alles erfüllt und dann plötzlich nichts mehr erfüllt wird, erlebt nur den Wechsel.
Weitergeben, tauschen, reparieren
Der größte Posten im Kinderzimmer ist nicht das, was neu gekauft wird, sondern das, was herumliegt und nicht mehr gespielt wird. Wer das in Bewegung hält, spart zweimal: beim Nachkaufen und beim Platz.
Weitergeben. Kinderkleidung und Spielzeug halten in der Regel mehrere Kinder aus, und gerade die teuren Posten verlieren am wenigsten: Hochstuhl, Laufrad, Schlitten, Kinderwagen, Skiausrüstung. Flohmärkte in Kindergärten und Pfarren, die Kleinanzeigen der Region, Tauschgruppen im Ort und die Secondhandläden der Sozialorganisationen nehmen das meiste davon. Für Ski und Skischuhe rechnet sich in Wachstumsjahren oft das Saisonleasing im Sportgeschäft, das die Ausrüstung im nächsten Winter gegen die nächste Größe tauscht.
Tauschen statt kaufen. Spielzeugbibliotheken, in Österreich meist "Spielothek" genannt, verleihen Gesellschaftsspiele und großes Spielzeug gegen einen Jahresbeitrag; viele Büchereien führen sie mit. Für eine Phase, die ein halbes Jahr dauert, etwa das Interesse an einer bestimmten Spielwelt, ist das die ehrlichere Lösung als ein Kauf.
Reparieren. Ein Reißverschluss, ein gebrochenes Rad, eine lose Naht: Die Repair-Cafés, die es inzwischen in vielen Gemeinden gibt, arbeiten ehrenamtlich und kostenlos bis auf das Material. Sie sind für Kinder zusätzlich lehrreich, weil dort sichtbar wird, dass Dinge nicht am Ende ihres Lebens sind, wenn sie kaputt sind.
Und was wirklich weg kann. Defektes Plastikspielzeug ist Restmüll, Spielzeug mit Batterie oder Motor ist Elektroschrott und gehört zur Sammelstelle, nicht in die Restmülltonne. Wer ausmustert, macht es am besten mit dem Kind und nicht heimlich: Ein Kind, das drei Dinge selbst aussucht und in die Kiste legt, vermisst sie nicht. Ein Kind, dessen Kiste nachts verschwindet, sucht sie wochenlang.
Ein Jahresplan für die großen Posten
Die Ausgaben verteilen sich nicht gleichmäßig über das Jahr, und das lässt sich vorhersehen. Wer die vier Spitzen kennt, kann sie vorbereiten, statt sie abzufangen.
- August und September: Schulstart mit Anschaffungen, Beiträgen und Betreuung. Das Schulstartgeld kommt mit der Familienbeihilfe für August und ist damit vor den meisten Rechnungen da.
- Dezember: Weihnachten. Wer im Jänner beginnt, monatlich einen kleinen Betrag zurückzulegen, hat im November das Budget beisammen, das die Umfragen als Durchschnitt nennen.
- Frühjahr: Ostern ist der kleinste der drei Anlässe, fällt aber mit dem Wechsel der Kleidergröße und mit Anmeldungen für Camps und Kurse zusammen.
- Sommer: Urlaub und Ferienbetreuung. Beides wird früh gebucht, und beides ist der Posten, bei dem sich frühe Buchung am deutlichsten auszahlt.
Die Zahlen in diesem Beitrag sind Durchschnitte aus Erhebungen und keine Vorgabe. Sie taugen als Maßstab dafür, ob die eigene Familie im üblichen Rahmen liegt, und als Argument in der Verwandtschaft, wenn wieder einmal jemand fragt, ob ein Geschenk denn reicht.
Weitere Details & Hintergründe
Familienbudget und Alltagsglück: Wie wir die teuersten Monate im Jahr entspannt meistern
Es gibt Themen, die am sonntäglichen Frühstückstisch der meisten Familien eher selten auf den Teller kommen. Über Geld, Budgets und finanzielle Planungen wird zwischen Marmeladensemmeln und dampfendem Kaffee kaum gesprochen. Über Geschenke, strahlende Kinderaugen und den nächsten großen Wunschzettel hingegen schon. Doch wenn wir ehrlich sind, hängt beides untrennbar miteinander zusammen. Wer als Mutter oder Vater genau weiß, wie hoch die finanziellen Beträge im Laufe eines Jahres tatsächlich ausfallen, kann sie viel besser und stressfreier einteilen. Die überraschende Wahrheit dabei ist: Die größten und gewichtigsten Posten im bunten Familienjahr sind oftmals gar nicht die, über die in der Verwandtschaft am meisten geredet wird.
Nehmen wir die Fakten einmal genauer unter die Lupe. Die viel beachtete Schulkostenstudie der Arbeiterkammer (AK) aus dem Jahr 2024 hat österreichweit über 2.500 Eltern ein ganzes Jahr lang in ihrem Alltag begleitet, um ein realistisches Bild zu zeichnen. Die Ergebnisse sind ein echter Augenöffner. Für das Bundesland Niederösterreich nennt die Studie beispielsweise einen Betrag von 2.130 Euro je Kind und Schuljahr. Wenn man diese Summe in ihre Einzelteile zerlegt, wird schnell klar, wo das Geld hinfließt: Darin stecken allein 404 Euro für alltägliche Schulartikel - vom ersten Bleistift bis zur Wasserfarbpalette. Weitere 270 Euro fließen in mehrtägige Schulveranstaltungen, die für die soziale Entwicklung der Kinder so unendlich wertvoll sind. Den größten Brocken bildet jedoch mit 751 Euro die Nachmittagsbetreuung, ohne die für viele Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schlichtweg unmöglich wäre. Wir sprechen hier nicht von einem luxuriösen Geschenkbudget für besondere Anlässe, sondern schlichtweg vom Grundbetrag, der im Hintergrund anfällt, damit ein Kind überhaupt seinen Alltag in der Schule bewältigen kann.
Stellen wir diesem stillen, aber gewaltigen Posten einmal das strahlende Weihnachtsfest gegenüber. Die KMU Forschung Austria erhebt jedes Jahr mit großer Spannung, wie viel die Menschen für Geschenke unter dem Christbaum ausgeben wollen. Für Oberösterreich lag dieser Wert im Jahr 2024 bei durchschnittlich 320 Euro je Person. Ohne Frage, das ist eine Menge Geld auf einen Schlag. Doch wenn man die Perspektive wechselt, wird deutlich: Dieses üppige Weihnachtsbudget ist weniger als ein Sechstel dessen, was dasselbe Kind im selben Jahr allein an stillen Schulkosten verursacht.
Warum der Schulstart die wahre Herausforderung ist
Es sind im Wesentlichen drei gewichtige Unterschiede, die den Spätsommer und den Schulstart zum weitaus schwierigeren Posten in der Familienkasse machen.
Erstens: Der Schulstart ist schlichtweg nicht verhandelbar. Ein spezieller Zirkel für den Geometrieunterricht, ein passender Turnbeutel oder der dringend benötigte Beitrag zur anstehenden Projektwoche stehen auf einer penibel geführten Liste, die von außen - nämlich von der Schule - vorgegeben wird. Ein Weihnachtsgeschenk kann in mageren Jahren durchaus einmal kleiner ausfallen oder durch Selbstgebasteltes ersetzt werden, ein verpflichtender Schulbuchbeitrag hingegen nicht.
Zweitens: Die finanzielle Wucht trifft Familien auf einen Schlag. Alles fällt gleichzeitig an. In den wenigen, ohnehin schon trubeligen Wochen zwischen Mitte August und Ende September ballen sich die Ereignisse. Neue Anschaffungen, fällige Betreuungsbeiträge und die Kosten für die ersten herbstlichen Ausflüge kommen zusammen - und das bei vielen Eltern gleich für mehrere Kinder parallel. Während sich Weihnachtsgeschenke wunderbar über Wochen hinweg planen, verteilen und entspannt vorab kaufen lassen, duldet der Schulstart keinen Aufschub.
Drittens: Diese Kosten treffen die Gesellschaft zutiefst ungleich. Die AK-Studie rechnet schonungslos vor, dass die Schulkosten bei Haushalten mit einem Monatseinkommen von weniger als 2.000 Euro rund 15 Prozent des gesamten Haushaltseinkommens ausmachen. Das ist ein gewaltiger Einschnitt. Um diese Entwicklung einzuordnen: Noch drei Jahre zuvor lag dieser Wert bei 12 Prozent. Für Familien mit einem höheren Einkommen ist derselbe Betrag vielleicht eine kurzfristige Unannehmlichkeit auf dem Konto. Für andere Familien ist es hingegen die existenzielle Frage, was genau in diesem Monat zwingend ausfallen muss, damit die Schulsachen bezahlt werden können.
Der Staat versucht, einen Teil dieser massiven Belastung auszugleichen. Gekoppelt an die Familienbeihilfe für den Monat August wird automatisch ein Schulstartgeld in Höhe von 121,40 Euro für jedes Kind zwischen 6 und 15 Jahren überwiesen - ganz unbürokratisch und ohne Antrag. Für Eltern eines Volksschulkindes ist das ein wertvoller Puffer, der ungefähr die Kosten für die vielen kleinen Schulartikel wie Hefte und Stifte deckt. Für die teure Nachmittagsbetreuung oder die pädagogisch wichtigen Ausflüge reicht dieser Betrag jedoch nicht aus.
Der kreative Spielraum: Wie wir das Schenken neu denken können
Aus all diesen nüchternen Zahlen folgt keineswegs, dass Geschenke das eigentliche Problem unserer Familienbudgets sind. Im Gegenteil: Geschenke folgen einem völlig anderen, viel flexibleren Muster. Sie sind freiwillig, sie summieren sich über viele liebevolle Verwandte und Freunde, und vor allem: Sie lassen sich absprechen. Genau in dieser Kommunikation liegt ein wunderbarer Spielraum, den wir als Eltern nutzen können.
- Absprache in der Verwandtschaft: Die klassische Familienkonstellation - vier liebevolle Großeltern, zwei engagierte Patinnen und vielleicht noch drei Tanten - ergibt schnell bis zu zehn Geschenke für ein einziges Kind. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Hälfte davon inhaltlich gleicht, ist hoch. Eine durchdachte Wunschliste, die die Eltern liebevoll führen und rechtzeitig weitergeben, verhindert nicht nur enttäuschende Dubletten. Sie macht es auch möglich, aus vielen kleinen Geldkuverts ein größeres, hochwertiges Geschenk zu machen, das dem Kind über Jahre hinweg Freude bereitet.
- Anlässe klug entzerren: Wer den Schulstart als familiären Anlass mitdenkt, kann den Druck spürbar reduzieren. Es lohnt sich, einen Teil der klassischen Weihnachts- und Geburtstagswünsche einfach dorthin zu verschieben, wo ohnehin dringend etwas gebraucht wird. Die erste echte, ergonomische Schultasche, ein gut gefülltes Federpennal oder coole neue Sportsachen können wunderbare, von der Verwandtschaft finanzierte Meilenstein-Geschenke sein.
- Gebraucht ist definitiv nicht zweite Wahl: Gerade bei teuren Anschaffungen wie Sportgeräten, den ersten Fahrrädern oder warmer Wintersachen ist der Zustand nach nur einer einzigen Saison meist ungleich besser, als der drastische Preisunterschied vermuten lässt. Lebhafte Tauschbörsen direkt an den Schulen oder bunte, wuselige Flohmärkte im Frühjahr decken einen Gutteil dieser Bedürfnisse ab und schonen das Budget enorm.
- Erlebnisse statt Dinge: Hier schlägt das Herz unseres Familien-Reiseportals besonders hoch! Ein gemeinsames Erlebnis sticht jedes noch so laute Plastikspielzeug aus. Ein Jahresticket für ein faszinierendes Museum, eine regionale Vorteilskarte für die Berge oder ein von der Tante gesponserter gemeinsamer Familienausflug kosten unterm Strich oft weniger als das neueste, riesige Trend-Spielzeug. Der unschätzbare Vorteil: Solche Erinnerungen verstauben nach zwei Wochen nicht unbeachtet in der Ecke des Kinderzimmers, sondern bleiben für immer im Herzen.
Nebenbei bemerkt: Kinder lernen den gesunden Umgang mit Geld nicht durch ständigen Verzicht, sondern durch transparente Nachvollziehbarkeit. Ein Kind, das ganz offen weiß, dass für den anstehenden Geburtstag ein bestimmter Betrag zur Verfügung steht, und das die Möglichkeit bekommt, selbstbestimmt zwischen zwei großen Wünschen zu wählen, erlebt eine echte, wertvolle Entscheidung. Ein Kind hingegen, dem im Alltag blindlings alles erfüllt wird, bis das Budget erschöpft ist, und dem dann plötzlich und ohne Erklärung nichts mehr erfüllt wird, erlebt nur den harten Wechsel - aber lernt nichts über finanzielle Eigenverantwortung.
Das Kinderzimmer atmen lassen: Kreisläufe schaffen
Der größte und teuerste Posten im Kinderzimmer ist auf Dauer nicht das, was strahlend neu gekauft wird, sondern ironischerweise das, was ungenutzt herumliegt und nicht mehr bespielt wird. Wer diese Dinge in Bewegung hält, spart als Familie gleich zweimal: beim teuren Nachkaufen und beim knappen Platz im Zuhause.
- Wertvolles weitergeben: Robuste Kinderkleidung und hochwertiges Spielzeug halten in der Regel die Energie mehrerer Kinder mühelos aus. Gerade die richtig teuren Anschaffungen verlieren am wenigsten an Funktionalität: Der massive Hochstuhl, das erste kleine Laufrad, der flinke Holzschlitten, der treue Kinderwagen oder die komplette Skiausrüstung. Bunte Flohmärkte in Kindergärten und Pfarren, die unkomplizierten Kleinanzeigen der Region, gut vernetzte Tauschgruppen im eigenen Ort und die liebevoll geführten Secondhandläden der Sozialorganisationen nehmen das meiste davon mit Kusshand ab. Für Ski und Skischuhe rechnet sich in den rasanten Wachstumsjahren der Kinder oft das clevere Saisonleasing im lokalen Sportgeschäft, das die Ausrüstung im nächsten Winter ganz entspannt gegen die nächste, passgenaue Größe tauscht.
- Tauschen statt kaufen: In ganz Österreich gibt es wunderbare Spielzeugbibliotheken, meist liebevoll "Spielothek" genannt. Sie verleihen von pädagogisch wertvollen Gesellschaftsspielen bis hin zu richtig großem Spielzeug fast alles gegen einen sehr fairen Jahresbeitrag. Viele öffentliche Büchereien führen dieses Angebot gleich mit. Für eine typische kindliche Phase, die oft nur ein halbes Jahr andauert - etwa das plötzliche, brennende Interesse an einer bestimmten Ritter- oder Feenwelt -, ist das Ausleihen die ehrlichere und günstigere Lösung als ein teurer Neukauf.
- Reparieren und Repsektieren: Ein klemmender Reißverschluss an der Lieblingsjacke, ein gebrochenes Rad am Spielzeugauto oder eine lose Naht am Kuscheltier sind noch lange kein Grund für die Mülltonne. Die sogenannten Repair-Cafés, die es erfreulicherweise inzwischen in vielen engagierten Gemeinden gibt, sind wahre Schatztruhen. Dort arbeiten handwerklich begabte Menschen ehrenamtlich und völlig kostenlos - man zahlt lediglich für das eventuell benötigte Ersatzmaterial. Ein Besuch dort ist für Kinder ein kleines Abenteuer und unglaublich lehrreich. Sie sehen mit eigenen Augen, dass Dinge nicht am Ende ihres Lebenszyklus angekommen sind, nur weil sie einmal kaputtgehen.
- Und was wirklich weg kann: Wenn Dinge wirklich nicht mehr zu retten sind, ist richtiges Trennen wichtig. Defektes, reines Plastikspielzeug gehört in den Restmüll. Spielzeug mit fest verbauten Batterien, Blinklichtern oder einem Motor ist ganz klar Elektroschrott und gehört zur kommunalen Sammelstelle, keinesfalls in die heimische Restmülltonne. Wer im Kinderzimmer ausmustert, macht das übrigens am besten stets gemeinsam mit dem Kind und nicht in heimlichen Nacht-und-Nebel-Aktionen. Die Psychologie dahinter ist simpel: Ein Kind, das drei Dinge aus eigener Überzeugung selbst aussucht und bewusst in die Flohmarkt-Kiste legt, vermisst diese Dinge am nächsten Tag nicht. Ein Kind jedoch, dessen prall gefüllte Kiste einfach nachts heimlich verschwindet, sucht wochenlang traurig und misstrauisch nach seinen Schätzen.
Die vier Jahreszeiten des Familienbudgets
Die finanziellen Ausgaben einer Familie verteilen sich, wie wir gesehen haben, keineswegs gleichmäßig über die zwölf Monate. Doch das Gute daran ist: Das meiste davon lässt sich präzise vorhersehen. Wer die vier großen Spitzen im Jahreskreis kennt, kann sie entspannt vorbereiten, anstatt sie in letzter Sekunde panisch abzufangen.
- Der Spätsommer (August und September): Das ist die Zeit des Schulstarts mit all seinen Anschaffungen, fälligen Beiträgen und der Organisation der Betreuung. Das rettende Schulstartgeld kommt glücklicherweise zusammen mit der Familienbeihilfe bereits im August und ist damit für die Familien da, bevor die allermeisten Rechnungen der Schulen überhaupt eintrudeln.
- Der Winter (Dezember): Weihnachten steht vor der Tür. Der beste Trick hierfür: Wer bereits im tristen Jänner beginnt, konsequent monatlich einen kleinen, gut verschmerzbaren Betrag zur Seite zu legen, hat im November völlig stressfrei genau das Budget beisammen, das die Umfragen als Durchschnitt nennen. Das Fest kann kommen.
- Das Frühjahr: Ostern ist zwar der finanziell kleinste der drei klassischen Anlässe, fällt aber tückischerweise oft genau mit dem wetterbedingten Wechsel der Kleidergröße der Kinder zusammen. Auch die begehrten (und oft teuren) Anmeldungen für die Sommer-Camps und Schwimmkurse müssen in dieser Zeit bezahlt werden.
- Der Sommer: Die Zeit für Urlaub, Ausflüge und die oft wochenlange Ferienbetreuung, wenn der Kindergarten schließt. Beides, Urlaub wie Betreuung, wird von weitsichtigen Eltern früh gebucht. Und bei beiden Posten ist es erwiesen, dass sich eine frühe Buchung auch finanziell am allerdeutlichsten auszahlt.
Am Ende des Tages sind all die Zahlen in diesem Beitrag genau das: Durchschnitte aus Erhebungen und Studien. Sie sind keine in Stein gemeißelte Vorgabe dafür, wie Sie Ihr Leben führen müssen. Sie taugen aber ganz wunderbar als verlässlicher Maßstab dafür, um zu sehen, ob die eigene Familie im völlig üblichen Rahmen liegt. Und sie sind ein hervorragendes, sachliches Argument beim nächsten Verwandtschaftstreffen, wenn wieder einmal jemand wohlmeinend fragt, ob dieses eine, gemeinsame Geschenk denn auch wirklich ausreicht. Ja, das tut es!
Häufige Fragen (FAQ)
Wie viele Geschenke sind für ein Kind angemessen?
Es gibt keine Zahl, die für alle gilt, aber ein brauchbares Maß: so viele, dass jedes Geschenk wahrgenommen wird. Wenn ein Kind beim Auspacken das vorige Paket nicht mehr ansieht, ist die Grenze überschritten. Weniger Geschenke, die länger benutzt werden, wirken mehr als viele auf einmal.
Was hilft gegen zu viele Geschenke von Verwandten?
Absprache vor dem Anlass, nicht Kritik danach. Ein gemeinsames Geschenk, ein Beitrag zu einem größeren Wunsch, Erlebnisse statt Dinge oder etwas für das Sparkonto sind die üblichen Wege. Wer einen konkreten Vorschlag macht, bekommt ihn meist auch.
Soll man Kindern Wünsche immer erfüllen?
Nein, und das ist kein Mangel. Warten, sparen und sich entscheiden zu müssen, sind Fähigkeiten, die mit Geschenken geübt werden. Ein Wunsch, der über Wochen bleibt, ist ein echter; einer, der nach drei Tagen vergessen ist, war Werbung.
Wie geht man mit Werbung um, die sich an Kinder richtet?
Benennen, statt verbieten. Kinder können früh lernen, dass Werbung etwas verkaufen will und dass ein Spielzeug im Werbefilm anders aussieht als im Wohnzimmer. Gemeinsames Anschauen und ein ruhiges Gespräch darüber wirken länger als ein Verbot.
Was tun mit Spielzeug, das nicht mehr gebraucht wird?
Gemeinsam aussortieren, nicht heimlich. Kinder geben leichter etwas ab, wenn sie mitentscheiden und wissen, wohin es geht. Weitergeben, tauschen oder spenden macht aus dem Aussortieren einen sinnvollen Vorgang statt eines Verlusts.
Weiterführende Informationen
- AK-Schulkostenstudie 2024 (Arbeiterkammer Niederösterreich)
- Schulstartgeld: Höhe, Auszahlung und Anspruch (Bundeskanzleramt)
- Weihnachtsgeschäft: geplante Ausgaben für Geschenke (KMU Forschung Austria, veröffentlicht über die Wirtschaftskammer)
